XII - Tagebuch - Wilhelm Dollinger
Würde man sich die Aufgabe stellen den Lebenspfad, den der eine oder andere Mensch gegangen ist nachzuwandeln, so würde uns der Weg - bildlich gesprochen - bald über freie Fluren, liebliche Täler und Auen, durch lauschige Wälder, bald durch schaurige Schluchten, langweilige Steppen und Wüsten führen. Manchesmal würden wir auch ratlos vor abgebrochenen Brücken stehen und nach einem Weg suchen müssen, der uns weiter führt. Das einemal hätten wir bequeme, ebene Strassen, das anderemal stille, beschwerliche und gefahrvolle Steige, unter unseren Füssen, ganz nachdem wo eben unsere Vorgänger gewandelt haben, denen wir im Geiste folgen. Ganz nachdem, ob dieser Vorgänger jemals eine sonnige Höhe erreicht hat, oder in erstickender Sümpfe unterging, oder ob er es verstand, sich zeitlebens zwischen beide zu halten. Eine solche Wanderung würde manches Neue und Wissenswerte, so auch viel Belehrendes ausschliessen, wie ja die einzelnen Taten der Menschen immer dazu dienen, Beispiele, in Nachahmung oder Warnung zu schaffen.



